
Hubsi unkaputtbar, aber nicht überall – Nachbetrachtung zur Kommunalwahl 2026 in Bayern, Gröbenzell und Umgebung und im Landkreis Fürstenfeldbruck
In den Wahlen zum Gemeinderat konnte die CSU in Gröbenzell gegenüber 2020 wieder deutlich zulegen (von 29,2 auf 37,5 %). In Sitzen bedeutete das 2 Sitze mehr (von 9 auf 11 von insgesamt 30 Sitzen). Die Zeiten, als man zusammen mit den FREIEN WÄHLERN die absolute Mehrheit hatte (2002 und 2008 mit 13 von 24 Sitzen + Bürgermeister, also 14 von 25), sind nun jedoch zum dritten Mal vorbei. Seit der vorletzten Wahl, also seit 2020, besteht der Gemeinderat aus 31 und nicht mehr bloß aus 25 Mitgliedern – den Bürgermeister mitgerechnet, da die Einwohnerzahl seither die 20.000er-Grenze überschreitet.
Die FREIEN WÄHLER (FW) Gröbenzell haben erstmals seit ihrem Bestehen am Ort keinen Vertreter im Gemeinderat Gröbenzell. Sie waren dieses Mal gar nicht mit einer eigenen Liste und auch nicht in einer Listenvereinigung angetreten. Die beiden Mandatsträger, die in der Wahlperiode 2020 – 2026 für die FREIEN WÄHLER im Gemeinderat saßen, Conny Aicher-Leonbacher und Wolfgang Netschert, hatten sich einfach mit auf die Liste der UWG setzen lassen, wo sie die Listenplätze 6 (Leonbacher) und 15 (Netschert) einnahmen. Auf die Idee, für die Kommunalwahl 2026 als ausgewiesene Vertreter der FREIEN WÄHLER mit der UWG eine Listenvereinigung einzugehen, war scheinbar niemand gekommen, oder sie schien – z. B. wegen des starken Übergewichts der UWG – nicht opportun. Dann hätten die FREIEN WÄHLER Gröbenzell auch ohne eigene Liste wenigstens nach außen hin noch ein eigenes Profil gewahrt. Zur Begründung hieß es, die FREIEN WÄHLER Gröbenzell hätten dieses Mal keine eigene Liste zusammen gebracht und man habe sich bei der UWG gut aufgehoben gefühlt. Perspektivisch ist allerdings geplant, in Gröbenzell zusammen mit dem neuen Fraktionschef der FREIEN WÄHLER im Kreistag Dr. Stefan Weinberger nach und nach wieder eine starke Ortsgruppe aufbauen.
Es ist gut vorstellbar, dass Netschert und Leonbacher noch unter dem Eindruck der Flugblattaffäre von Hubert Aiwanger aus dem Jahr 2023 standen und sie sich daher scheuten, 2026 erneut für die FREIEN WÄHLER anzutreten. Die Flugblattaffäre war am 25.8.2023 kurz vor der Landtagswahl 2023 durch einen Bericht in der SZ ins Rollen gebracht worden. Sie hatte Aiwanger und Söder massiv unter Druck gesetzt, nachdem die SZ die Aussage eines früheren Lehrers Aiwangers öffentlich gemacht hatte, dass Vertreter der Schule im Schulranzen Aiwangers ein antisemitisches und menschenverachtendes Flugblatt gefunden hatten. Söder distanzierte sich zwar von dem Inhalt des Pamphlets, sah aber von einer Entlassung Aiwangers aus seinem Amt als Wirtschaftsminister ab, nachdem der Bruder Aiwangers erklärt hatte, er habe das Pamphlet geschrieben und nicht sein Bruder, in dessen Schulranzen es gefunden worden war. In der Landtagswahl schadete Aiwanger die Affäre nicht, denn die FREIEN WÄHLER holten 15,8 % der Stimmen, was ein Plus war von 4,2 % gegenüber 2018, und die CSU und die FREIEN WÄHLER setzten ihre Koalition mit Aiwanger als Wirtschaftsminister fort.
In den städtischen Bereichen Bayerns hatte die Affäre allerdings durchaus Nachwirkungen. Solche zeigten sich z. B. sehr deutlich in einigen Nachbarkommunen Gröbenzells, konkret in Olching, Puchheim, Eichenau und Emmering, Kommunen, die traditionell immer Hochburgen der FREIEN WÄHLER waren.
In Puchheim firmierten die FREIEN WÄHLER Puchheim e. V. schon sehr bald nach dieser Affäre um, benannten ihren Verein neu als „Gemeinsam für Puchheim“ (GfP) e. V., traten aus dem FW Kreisverband aus und mit einer Liste mit dem neuen Namen GfP bei der Stadtratswahl 2026 an. Sie erzielten aber nur 3,7 % der Stimmen und konnten damit nur noch einen Stadtratssitz erringen.
In Olching firmierten die dort traditionell sehr starken FREIEN WÄHLER schon im Frühjahr 2023, also schon vor der Flugblattaffäre, um in eine Gruppe mit Namen „Für Olching“ (FO), siehe:
MM-Tagblatt, 10.3.2023: Die FREIEN WÄHLER Olching haben einen neuen Namen,
traten unter diesem Listennamen jetzt auch bei Stadtratswahl an, erzielten 18,5 % der Stimmen und errangen fünf von 30 Stadtratsmandaten. Damit konnte diese Gruppe die Zahl der Stadtratsmandate, die ab wohl März 2023 schon unter „FO“ liefen, halten. Ungeachtet dieser neuen Gruppe gibt es in Olching weiter Personen, die noch dem Kreisverband der FREIEN WÄHLER bzw. den FREIEN WÄHLER Bayern angehören.
In Eichenau hat sich im März 2024 neben den FREIEN WÄHLER Eichenau eine Eichenauer Bürgervereinigung gebildet (EBV), die mit eigener Liste an der Kommunalwahl 2026 teilnahm und gleich 12,5 % der Stimmen errang. Das brachte der Gruppe drei Mandate, somit genauso viel Sitze wie die FREIEN WÄHLER Eichenau, die auf 12,2 % der Stimmen kamen.
In Emmering wandelten sich die FREIEN WÄHLER im Februar 2025 in eine neue Gruppe mit Namen Emmeringer Bürgergemeinschaft (EBG) um:
MM-Tagblatt vom 27.2.2025: „Bloß keine Verwechslung mit Aiwanger-Partei: „Emmerings Freie Wähler geben sich neuen Namen“:
Dieser Gruppe gelang es auf Anhieb mit 44 % der Stimmen nicht nur neun von 20 Mandaten zu erringen und damit auf Anhieb stärkste Kraft im neuen Gemeinderat zu werden, sondern in der Stichwahl am 22.3.2026 mit dem völlig unbekannten Ulrich Wiltawsky auch noch den Bürgermeisterposten zu erringen. Wiltawsky behielt in der Stichwahl mit 64,3 % der Stimmen klar die Oberhand über den Amtsinhaber Stefan Floerecke von der CSU. Emmering war viele Jahre eine Hochburg der FREIEN WÄHLER, die mit Dr. Michael Schanderl 18 Jahre den 1. Bürgermeister gestellt haben.
In Germering kam es zu keiner Neugründung oder Umbenennung der FREIEN WÄHLER. Sie behielten dort ihre zwei von insgesamt 40 Stadtratssitzen.
Keinen Umsturz bei den FREIEN WÄHLERN gab es insofern auch in Maisach – dort blieben die FREIEN WÄHLER mit 7 Sitzen zweitstärkste Kraft nach der CSU, die 10 von 24 Sitzen errang – und in der Stadt Fürstenfeldbruck, wo die FREIEN WÄHLER vier von 40 Sitzen errangen.
Zu den Bürgermeister- und Oberbürgermeisterwahlen in und um Gröbenzell:
In Gröbenzell hat Dr. Daniel Holmer von den GRÜNEN nach 24,5 % im 1. Wahlgang Jens Wäcken von der CSU, der im 1. Wahlgang mit 37,5 % noch deutlich vorne gelegen war, in der Stichwahl mit 51,5 % zu 48,5 % geschlagen. Nachdem es in den Bürgermeisterwahlen von 2020 und 2014 schon genauso gelaufen war, dass die nicht in der Stichwahl vertretenen Parteien und Gruppierungen vor der Stichwahl eine Wahlempfehlung für den zweitplatzierten, nicht der CSU angehördenden Kandidaten abgegeben und diesem letztlich zum Sieg verholfen hatten, war es keine Überraschung, dass Dr. Daniel Holmer Jens Wäcken in der Stichwahl noch überholen konnte.
Allerdings war es dieses Mal erheblich knapper, als bei den zwei Wahlen zuvor. Hatte Breitenfellner in der Stichwahl 2014 gegenüber Schäfer noch einen Rückstand von 23,8 % der Stimmen, so hatte Kammerl gegen den Amtsinhaber Schäfer nur mehr einen Rückstand von 7,6 %. Bei der Stichwahl 2026 waren es jetzt nur noch 3,2 % Unterschied, in einer Zahl ausgedrückt 298 Stimmen.
Bei der Bürgermeisterwahl 2014 war Schäfer mit nur 19 Stimmen Vorsprung vor dem drittplatzierten SPD-Kandidaten Florian Ritter in die Stichwahl gekommen. Das zeigt, dass es auf jede Stimme ankommen kann. Die Wahlbeteiligung besonders dann in der Stichwahl spielt eine sehr große Rolle. So lag z. B. der OB-Kandidat der CSU in Germering Hannes Kirmair 2026 nach dem 1. Wahlgang bei einer Wahlbeteiligung von 59,3 % mit 45,3 % weit vor dem zweitplatzierten Daniel Liebetruth von der SPD, der nur auf 28,2 % gekommen war. In der Stichwahl (Wahlbeteiligung nur noch 53,2 %) überholte Liebetruth Kirmair mit 50,5 % zu 49,5 %, was lächerliche 151 Stimmen ausmachte. Damit verlor die CSU das Germeringer Rathaus nach 18 Jahren OB Haas wieder an die SPD. Die Annahme liegt nahe, dass etliche Kirmair-Wähler dachten, es handle sich um eine sichere Sache, und bei der Stichwahl nicht mehr zur Wahl gingen.
In Olching jagte Maximilian Gigl, CSU, der SPD den Rathaussessel schon im 1. Wahlgang ab. Amtsinhaber Andreas Magg (SPD) hatte allerdings nicht mehr kandidiert. Er trat 2026 gegen Thomas Karmasin (CSU) in der Wahl zum Landrat im Kreis Fürstenfeldbruck an, kam dort aber nicht in die Stichwahl. Dieses gelang Ronja Wurmb-Seibel von Bündnis 90/Die GRÜNEN mit 21,7 % im 1. Wahlgang. Dahinter kamen eben Andreas Magg mit 14,2 % sowie Dr. Stefan Weinberger (FREIE WÄHLER) mit 8,2 %.
In der Stichwahl obsiegte Karmasin mit 56,5 % gegen 43,5% von Ronja Wurmb-Seibel.
In Puchheim obsiegte Thomas Hofschuster (CSU) in der Stichwahl gegen Jean-Marie Leone von der SPD mit 55,3 % gegen 44,7 %, nachdem Hofschuster im 1. Wahlgang 40,1 % und Leone 21,9 % der Stimmen erzielt hatten. Der SPD-Bürgermeister Norbert Seidl war nur noch für den Stadtrat angetreten (und in diesen auch hinein gewählt worden). In Puchheim werden künftig auch Vertreter der AfD im Stadtrat sitzen.
In München wurde bekanntlich der langjährige OB Dieter Reiter in zwei spektakulären Wahlgängen abgewählt. In der Stichwahl unterlag er Dominik Krause (Bündnis 90/Die GRÜNEN) deutlich mit 43,7 % gegen 56,3 %. Bei den Stadtratswahlen wurden erstmals die GRÜNEN stärkste Fraktion im Stadtrat (26,5 %). Die anderen Parteien und Gruppen erzielten 24,9 % (CSU), 19,0 % (SPD), 6,6 % (LINKE), 5,9 % (AfD), 4,7 % (VOLT), 3,4 % (FDP) und 2,5 % (FW).
Im Münchner Bezirksausschuss 22 Aubing-Lochhausen-Langwied, der auch einen Nachbarn von Gröbenzell repräsentiert, bleibt Sebastian Kriesel (CSU) Vorsitzender. Kriesel wurde erstmals auch in den Münchner Stadtrat gewählt.
Somit ergibt sich für Gröbenzell:
- Landrat bleibt Thomas Karmasin (CSU)
- Im Kreistag wird es in Zukunft auch Vertreter der AfD geben (6 Sitze von 70, Stimmenanteil 9,2 %). Aus Gröbenzell werden in der neuen Sitzungsperiode des Kreistags in der Fraktion Bündnis 90/Die GRÜNEN Dr. Martin Runge und Dr. Daniel Holmer, in der Fraktion der CSU Jens Wäcken und Bettina Betz und in der Fraktion der SPD Gregor von Uckermann, also insgesamt fünf Personen, vertreten sein. Die GRÜNEN verlieren 5,2, % und die FREIEN Wähler 2,5 %. Ansonsten bleiben die Stimmanteile im Wesentlichen gleich (CSU 37 %, SPD 11,7 %, UBV 5,9%, ÖDP/Parteifreie 2,2 %, FDP 2,4 %, Die LINKE verdoppelt sich nahezu auf 3,3 %).
- In den Nachbargemeinden gibt es rundherum neue Bürgermeister:
- im Landkreis (Olching und Puchheim) jetzt Erste Bürgermeister von der CSU statt von der SPD.
- in der Stadt München ist der OB von Bündnis 90/Die GRÜNEN statt von der SPD.
- im benachbarten BA 22 bleibt alles gleich bzw. wird eher die CSU stärker (dadurch, dass Kriesel nun auch Stadtrat der LH ist).
Interessant ist sicher auch, wie sich die Stimmenverhältnisse in Gröbenzell in den Kommunalwahlen seit 2002 entwickelt haben.
Bei den Wahlen für den Gemeinderat und bei den Wahlen des 1. Bürgermeisters stellt sich das im Einzelnen wie folgt dar:
Zum Schluß noch ein Blick auf die Landkarte für ganz Bayern:
Über ganz Bayern gesehen hat die CSU 12 Landräte verloren, 11 an die FREIEN WÄHLER und einen an die GRÜNEN. Hauptgewinner sind die FREIEN WÄHLER (in der Grafik unten Orange), die jetzt 24 Landräte stellen (unterstützt zum Teil durch andere Gruppierungen), das sind 13 mehr als vorher, während die CSU jetzt nur noch auf 40 Landräte kommt. Die Grünen haben jetzt eine Landrätin, die SPD zwei. Wählergruppen (in der Grafik rosa) stellen vier Landräte, wobei diese stark mit den FREIEN Wählern assoziiert sind. Bei den Oberbürgermeistern gibt es folgendes Bild: CSU zehn (minus eins); SPD zwölf (minus eins), FREIE WÄHLER zwei (Plus zwei), Grüne einer (plus eins) – dieser aber in der größen Stadt: München (zitiert nach dem Text unter der Abbildung unten aus: MM, Bayern & Region , Ausgabe 24.3.2026: „Söder schimpft über Fehler vor Ort“).

Die schraffierten Flächen kennzeichnen die Landkreise und Städte, in denen das Ergbnis nach einer Stichwahl zustande kam.
Während also in Gröbenzell und in den Nachbarorten keine FREIE WÄHLER mehr antraten, waren diese in vielen Teilen Bayerns außerordentlich erfolgreich.
Man kann gespannt sein, wie es in Gröbenzell und den Nachbarkommunen weiter geht. Die Karten werden auf jeden Fall neu gemischt.
Danke an
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- Farb-Grafik: www.kommunalwahl/2026.bayern.de
Excel Tabellen: Johann G. Böhmer,
Quellen: für 2002: Nachrichten aus der Gemeinde Gröbenzell April 2002; für 2008: Gröbenzell im Blick August 2008; für 2014: webseite der Gemeinde: https://www.groebenzell.de/rathaus-politik/gemeinderat/vergangene-wahlen-und-buergerentscheide/kommunalwahlen-2014.html; für 2020: webseite der Gemeinde: https://okvote.osrz-akdb.de/OK.VOTE_OB/Wahl-2020-03-15/09179126/html5/Gemeinderatswahl_Bayern_116_Gemeinde_Gemeinde_Groebenzell.html; für 2026: https://wahlen.osrz-akdb.de/ob-p/179000/4/20260308